Besuche aus Emmaberg bei uns

Eine gelbe Zeit – drei Wochen Besuch aus Emmaberg am KHG im Juli 2022

»Welche Farbe würden wir unserer gemeinsamen Zeit hier am KHG geben?«

Diese Frage haben wir uns ganz am Ende des Besuchs der Gruppe aus Emmaberg beim gemeinsamen Aufnehmen einer KHG-fragt-nach-Podcastfolge gestellt – und in Zweiergruppen versucht, sie zu beantworten. Dabei der Konsens: gelb.

Es war eine gelbe Zeit. Denn gelb ist die Farbe der Sonne und die Sonne strahlt – so wie unsere Gruppe. Sie strahlt in uns hinein, in dunkle Themen und dunkle Zeiten und strahlt in die ganze Welt. Und gelb ist auch eine sehr fröhliche Farbe – denn genauso war unsere gemeinsame Zeit: fröhlich und in jede Dunkelheit hineinstrahlend.

Unsere gemeinsame Zeit, das waren drei wundervolle und intensive Wochen, in denen wir Besuch aus unserer Partnerschule Emmaberg (Tansania) bekamen. Nach monatelanger Organisation und Vorbereitung waren acht Schülerinnen und drei Lehrer:innen aus Emmaberg zu uns ans KHG gereist und haben hier gemeinsam mit uns gelebt, getanzt, gespielt, gelacht und über Kolonialismus und Gerechtigkeit gesprochen.


Zu Beginn ging es vom Flughafen aus für einige Tage in eine Jugendherberge, um uns gegenseitig besser kennenzulernen und letzte Details für die kommenden Wochen zu klären und vorzubereiten. Dort hatten wir neben viel Zeit zum Teambuilding und Spaß haben auch den ersten Workshop zum Thema Kolonialismus. Denn das war das Thema unserer Reise: Kolonialismus und Gerechtigkeit. Dementsprechend hat uns dieses Thema durch die drei Wochen begleitet und viel in uns bewegt. So haben wir beispielsweise eine Führung mit München Postkolonial gemacht, über Klimagerechtigkeit gesprochen, zu Widerstand gegen den deutschen Kolonialismus in Tansania recherchiert und viel diskutiert. Am Schluss haben wir das Gelernte und unsere Gedanken in kreativen Projekten festgehalten: in Kurzfilmen und einer Fotostory.

Neben dieser inhaltlichen Arbeit haben wir auch an einer Partnerschaftserklärung gearbeitet, unseren Gästen München, Gräfelfing und das KHG inklusive Unterricht gezeigt, Gottesdienste gefeiert, an Lagerfeuern gesungen, zusammen gekocht und gegessen und getanzt und gesungen und UNO gespielt. Und so wurden aus unseren Gästen im Laufe der Zeit gute Freund:innen.


 

Ein weiterer Höhepunkt dieser schönen, gelben Zeit war unser Partnerschaftsfest: Ganze elf Jahre Partnerschaft haben wir mit diesem Fest gefeiert. Unser zehnjähriges Jubiläum letztes Jahr hatten wir auf Grund von Corona leider nicht feiern können, doch jetzt hatten wir gemeinsam mit unseren tansanischen Freund:innen umso mehr Grund zum Feiern.

Auch das Fest war sehr gelb – was aber nicht nur an den gelben Emmaberg-Shirts lag, die wir alle trugen! Gemeinsam hatten wir ein sehr vielfältiges und buntes Programm zusammengestellt, wovon am schönsten für uns wohl das gemeinsame Singen und Tanzen auf der Bühne war. Daneben gab es eine Fashion Show, tansanisches und deutsches Essen, Zeit für Gespräche und Erzählungen aus elf Jahren Partnerschaft.


 

Und dann waren plötzlich die letzten Tage des Besuchs angebrochen und ehe wir es uns versahen, saßen wir auf der Wiese neben der Michaelskirche Lochham und haben unser Abschiedsfest gefeiert. Dieses Fest war ganz anders als das Partnerschaftsfest: Es gab kein festes Programm, wir lagen einander einfach in den Armen, haben uns Abschiedsgeschenke überreicht, waren gemeinsam traurig und haben uns gegenseitig die Tränen getrocknet.


 

Schließlich war der unvermeidbare Moment gekommen: Wir haben unsere Freund:innen wieder zum Flughafen München gebracht und mussten uns verabschieden, bevor sie zurück nach Tansania flogen. Wegflogen. So schrecklich weit weg.
Dort am Flughafen die letzten prägenden und intensiven Momente. Das lange Warten vorm Check-In. Das letzte Zustecken von mit Herzchen verzierten Abschiedsbriefen. Das Arm in Arm auf dem Flughafenboden Sitzen. Das gemeinsame Weinen, In-den-Armen-Liegen und Nicht-voneinander-weg-Wollen. Das immer wieder zueinander Rennen, wann immer die Warteschlange an der Sicherheitskontrolle eine Schleife in unsere Richtung machte. Letzte gemeinsame Fotos, das Austauschen von Kontaktdaten und dann das letzte Winken zum Abschied.

Doch wir, wir werden uns wiedersehen und diese gelbe Zeit nie vergessen, das haben wir uns ganz fest versprochen.

Clara Lynker 7a und Maren Mitterer Q11

 

Vorfreude auf den Besuch aus Emmaberg – „einmal bitte alles“

Ratsch, ein Kalenderblatt reißt ab und trudelt zu Boden. Mit jedem abgerissenem Kalenderblatt, mit jedem Vorüberziehen eines Tages, rückt unser Besuch aus Emmaberg näher.

Und je näher der Tag der Ankunft kommt, desto mehr steigt die Aufregung und Vorfreude! Vorfreude auf unsere Partnerinnen. Alles müssen wir ihnen zeigen, das waberte wie ein gemeinsamer Gedanke bei unseren letzten AG-Planungstreffen durch den Raum. Unsere Welt müssen wir ihnen zeigen, den Schulcampus, Gräfelfing, München - alles.

Schwierig umzusetzen, doch es ist uns gelungen, ein Programm zusammenzustellen, das uns Austauschmöglichkeiten bietet und uns inhaltlich zusammenarbeiten, sowie den acht Schülerinnen und drei Lehrkräften aus Emmaberg unser „alles“ zeigen lässt.

Aber nicht nur „alles zeigen“ war uns wichtig. Schon seit längerem beschäftigen wir uns als Gruppe mit Themen wie Kolonialismus, kritischem Weißsein und weltweiter Gerechtigkeit. Wenn man sich Deutschlands und Tansanias gemeinsame Vergangenheit ansieht, fragt man sich: Was machten unsere Vorfahren falsch? Und wie sollten wir heute handeln?

Ganz oft kommt mir auch die Frage: Ist das fair? Ist es fair, dass ich „in Saus und Braus“ lebe? Ist es fair, dass ich im „Humboldforum Berlin“ Kunstschätze der Südsee sehe, die aus einer Zeit stammen, auf die ich nicht stolz sein kann?

Diese Fragen wollen wir mit unseren Gästen teilen und wir freuen uns auf ihre Meinungen dazu und gemeinsame Diskussionen darüber!

Die langersehnten drei Wochen starten am 30.06., wo wir unseren Besuch um sieben Uhr morgens am Flughafen abholen, um ihn in den ersten Teil vom „alles“ mitzunehmen, nach Benediktbeuern.

Auch wenn wir unsere Gäste natürlich erst einmal kennenlernen wollen, startet schon dort die inhaltliche Arbeit mit einem ersten Workshop. Wieder zurück sind wir am 03.07., wo wir uns weiter an diese Themen machen. Ein weiteres Highlight unserer Reise ist die ENSA-Sommerkonferenz, an der wir mit unseren Besucher*innen teilnehmen werden.

Unser „alles“ bleibt aber selbstverständlich wichtig, immer wieder folgen Stadtführungen und Ausflüge in die nähere Umgebung.

Auch Sie würden wir gerne an unserem Besuch teilhaben und unsere Gäste kennenlernen lassen. Daher laden wir sie herzlich zu unserem Partnerschaftsfest am KHG am 15.07. ab 18 Uhr und einem gemeinsamen Gottesdienst in der Michaelskirche Lochhham am 17.07. ab 10 Uhr ein! Genauere Informationen zu diesen Terminen folgen.

Ratsch, und ein weiteres Blatt fällt dem Boden entgegen. Nicht mehr lang. Nicht mehr lang und wir erleben das, was Corona uns so lange verboten hat. Das, worauf wir uns so sehr freuen.

Clara Lynker (7a)


 

Im Sommer 2020 sollten wir Besuch von zehn tansanischen Schülerinnen und zwei Lehrer*innen aus unserer Partnerschule Emmaberg bekommen, der jedoch pandemiebedingt verschoben werden musste. Um diese Reise finanzieren zu können, beantragten wir eine Förderung bei ENSA (Entwicklungspolitisches Schulaustauschprogramm). Da wir sie glücklicherweise erhielten und mit dieser Förderung auch eine inhaltliche Begleitung unseres Austausches einhergeht, fuhren wir mit neun Schülerinnen des KHG und unseren Lehrerinnen Frau Rückert und Frau Fuchs vom 30.01.-02.02.2020 auf die erste von drei ENSA-Konferenzen dieses Jahres nach Thüringen.

Nach einer langen Busfahrt kamen wir ein bisschen verspätet zum Anfangsplenum an. Im Anschluss daran sprachen wir mit dem uns zugeteilten Referenten Volker über unsere Wünsche und Erwartungen für dieses Seminar. Über die nächsten Tage beschäftigten wir uns zusammen mit der Gruppe einer anderen Schule und deren Referentin Bolormaa mit verschiedenen Themen rund um unsere Partnerschaften. Insbesondere gingen wir dabei auf unser Projektthema für den Besuch aus Emmaberg, den Kolonialismus und seine Folgen, Vorurteile, unsere Identität und ihre Rolle in einer Partnerschaft mit einer Schule im Globalen Süden ein. Durch Gruppenarbeiten, Diskussionen und Spiele mit wichtigen moralischen Erkenntnissen arbeiteten wir dies auf und hatten zudem auch sehr viel Spaß. Zudem befassten wir uns mit Chimamanda Adichies „The danger of a single story” und sprachen über wichtige Aspekte ihres TED Talks. In diesem befasst sie sich mit Vorurteilen, und dass diese nicht unbedingt falsch, sondern einfach unvollständig sind, da man meistens die Geschichte nur aus einer bestimmten „einzig wahren“ Sichtweise kennt („single story”) statt die Vielfalt an Geschichten wahrzunehmen.


In einer unserer Übungen ordneten wir Zitate rund um den Kolonialismus in ihren zeitlichen und historischen Kontext ein. Anschließend diskutierten wir über diese Zitate, dabei erfuhren wir auch, von wem diese stammten, und ob unsere Einschätzungen nahe dran lagen. Dabei fanden wir vor allem ein Zitat von Kant besonders erschreckend, da er als bekanntester und einflussreichster Philosoph der Neuzeit unglaublich abwertend über schwarze Menschen geschrieben hat – und das ohne je selbst einen von ihnen kennengelernt zu haben. Ebenso erstaunt waren wir darüber, wie auch heutzutage noch Aussagen mit extrem veralteten Ansichten über den Globalen Süden gemacht werden.

Am Freitagabend veranstalteten wir eine Projektgalerie, bei der jede Schule ihr Projekt bzw. ihre Partnerschaft vorstellte. Jede Schule bereitete dafür einen eigenen Stand mit Fotos, Plakaten ... vor. Diese Stände besichtigten wir dann und tauschten uns mit anderen Schüler*innen und Lehrer*innen aus. Somit hatte man die Möglichkeit auch andere Projekte genauer kennenzulernen, was wir sehr spannend fanden.

Zwischendurch spielten wir immer wieder Spiele, um unsere Gemeinschaft zu stärken, uns ganz neu kennenzulernen, mehr Vertrauen aufzubauen und unseren jeweiligen Platz in unserer Partnerschaft zu finden. Abschließend können wir sagen, dass wir nicht nur inhaltlich sehr viel gelernt haben, sondern auch als Gruppe zusammengewachsen sind. Jetzt sind wir auf unseren Besuch im Sommer schon viel besser vorbereitet. Vielen Dank dafür besonders an unseren tollen Referenten Volker, der unser Programm super gestaltet hat!

Magdalena Kersten und Liv Meiners 10d


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