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Kritiker-Society

Die Schüler der "Kritiker Society" lesen selbst gern und haben es sich zur Aufgabe gemacht, andere auf lesenswerte Neuerscheinungen aufmerksam zu machen. Hierzu beschäftigen sich die Literaturkritiker mit ausgewählten Büchern, z.B. den Nominierungen zum Deutschen Jugendliteraturpreis oder den Büchern, die bei der Münchner Bücherschau gezeigt werden. Auch besuchen sie Buchhandlungen und Bibliotheken, sprechen mit Buchhändlern, Lektoren, Juroren und Autoren...

Die Kritiker Society verfasst eigene Kritiken, nimmt Teil am "Literarischen Jugendquartett" der Münchner Bücherschau, organisiert Vorleseaktionen und gestaltet eine Wand mit Buchtipps in der Bibliothek, die zum Meinungsaustausch über Bücher anregen soll.

Treffen der Kritiker Society: freitags von 13.00 - 13.45 Uhr (Unterstufe) bzw. 13.45- 14.30 Uhr (Mittel- und Oberstufe) in der Bibliothek

Betreuende Lehrkraft: Eva Nonnenbroich


 

NEU: Hard Land  von Benedict Wells und

Fürchtet uns, wir sind die Zukunft von Lea-Lina Oppermann.

Diese und andere Titel wurden von der "Kritiker Society" bei dem diesjährigen Literarischen Jugendquartett am 5.12.2021 besprochen.

Ebenfalls zu empfehlen: After the fire von Will Hill


 

Buchkritik zum Buch des Monats

Hard Land von  Benedict Wells

Vorfreude. Eigenständigkeit. Verantwortung. Zugehörigkeit. Liebe. Angst. Verwirrung.

Mit diesen Gefühlen hat wohl jeder Teenager zu kämpfen. Es ist ein Wechselbad, in das man hineingestoßen wurde, ohne so richtig gefragt worden zu sein, vielleicht sogar ohne es richtig zu wollen. Auch Sam hat mit diesen Zweifeln in dem All-Age-Roman „Hard Land“ zu kämpfen.

Zu Beginn des Romans ist er fünfzehn und lebt in der Kleinstadt Grady, Missouri. Seine Mutter ist schwer krank, sein Freund Stevie ist aus Grady weggezogen und seine Sommerferien laufen Gefahr, absolut unaufregend zu werden. Als seine Eltern dann beschließen, ihn über die Ferien zu seinen gemeinen Cousins nach Wichita zu schicken, ist für Sam klar: ein Plan muss her! Wie gut, dass im Metropolis, dem kleinen Kino, eine Aushilfe gesucht wird. Zuerst ist Sam zwar skeptisch, bewirbt sich am Ende aber doch und bekommt den Job. Im Kino lernt er Kirstie, Cameron und Hightower kennen, die dort ihren letzten gemeinsamen Sommer vor dem College verbringen. 

Damit ist er völlig neu in einer sehr eingeschweißten Freundesgruppe und tänzelt nun auf einem millimeterdünnen Drahtseil zwischen der Verantwortung, die ihn mit seiner todkranken Mutter verbindet, und der Freiheit, die ihm seine neuen Freunde schenken wollen. Er sehnt sich nach beiden Seiten, ohne von der jeweils anderen loslassen zu wollen. Benedict Wells beschreibt auf eine atemberaubend realitätsnahe Weise diesen Konflikt. Einen Zwiespalt, den jeder Jugendliche nachvollziehen kann. Denn einerseits will man nicht von seiner Familie – kindlicher Unbeschwertheit oder auch tragischer Verantwortung - loslassen, andererseits möchte man auch eigene Erfahrungen sammeln.

Der Autor findet in diesem Konflikt genau die richtigen Worte und nicht selten muss man, als Leser in Sams Alter denken: „Ja, kenn ich.“ Man baut sehr schnell eine innige Beziehung zu dem Hauptcharakter auf, sofort versteht man seine Probleme und nicht selten leidet man mit ihm mit. Da das Buch aus der Ich-Perspektive geschrieben ist, werden Gefühle umso besser vermittelt. Die anderen Charaktere sind alle sehr besonders auf ihre Art, doch sie sind alle sehr liebenswürdig. Auch wenn sie von Grund auf verschieden sind und vielleicht im ersten Moment gar nicht zu dem verschlossenen Sam passen, so versteht man doch schnell, dass er diesen Kontrast dringend gebraucht hat. Geschickt entwickelt somit Benedict Wells die Unterschiede zwischen dem (naiven) Kind-Sein und dem Erwachsenwerden. Denn um groß zu werden, braucht es Mut. Man versteht langsam, dass nicht immer jemand da sein wird, um dich aufzufangen, doch manchmal muss man einfach den Sprung von der Klippe wagen, um sich weiterzuentwickeln.

Auch das Thema Liebe nimmt einen großen Bereich des Buches in Anspruch. Doch ohne einen kitschigen Liebesroman zu schreiben, erzählt der Autor von dem einen großen Gefühl, das Jugendliche begleitet. Nicht immer läuft alles nach Plan und teilweise ist man auch selbst geschockt darüber, was unser Herz im Stande ist zu fühlen. Dafür ist man nicht immer und auf gar keinen Fall sofort bereit.

Definitiv können wir aber sagen, dass wir uns in „Hard Land“ schockverliebt haben und uns diese sensible Möglichkeit der Identifizierung überzeugt hat. Daher empfehlen wir das Buch allen. Ja allen. Denen, die sich noch am Anfang der Pubertät befinden, denen, die mittendrin stecken, und denen, die diese Zeit schon hinter sich haben und sich einfach nochmal zurückerinnern wollen.

Emma (10 c) und Nathalie (9 c)


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