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Einst, vor vielen, vielen Jahren beschloss der Teufel ein Dorf nahe
der österreichischen Alpen seiner Herrschaft zu unterwerfen. Er hatte
schon viele friedvolle Dörfer zerstört oder sie in die Sklaverei
gestürzt. So auch diesmal. Da er dazu menschliche Hilfe brauchte,
holte er sich den geizigsten und hartherzigsten Bewohner des Dorfes. Das
war der Metzger Gundlo, der ebenfalls schon lange daran dachte, die Herrschaft
des Dorfes an sich zu reißen und es mit Schrecken und Gewalt zu
leiten.
Als er nun unten beim Teufel war und dessen Plan hörte, sah er ein,
dass er keine andere Möglichkeit hatte, als sich mit dem Teufel zu
verbünden. Der Plan, die Dorfleute zu zerstreiten und das Dorf dann
zu teilen, gefiel ihm sehr gut. Mit einer Hälfte des Dorfes als Belohnung
dafür, dass er zwischen die Leute Zwietracht brachte, war er sehr
zufrieden.
Also machte er sich auf den Weg zurück in sein Dorf. Dort erzählte
er Lügen von Betrug, Eifersucht und Diebstahl. Er klaute Schweine,
stellte sie in den Stall des Nachbarn. Er bestach den Pfarrer und betrog
die Handelsleute. So kam es dazu, dass kein Dorfbewohner mehr dem anderen
glaubte. Selbst die Männer trauten ihren eigenen Frauen nicht mehr.
So war Zwietracht über das einst so friedliche Dorf gekommen. Man
kaufte keine Lebensmittel von anderen, man verkaufte selbst nichts mehr,
auch Bettler und Arme wurden nun verachtet. Man wies Gäste ab, obwohl
sie früher die besten Freunde waren.
Ja, so endete die Harmonie und Idylle des Dorfes. Genau das hatte der
Teufel von Anfang an erreichen wollen. Den Streit! Er liebte böse,
aggressive Menschen, liebte Diebstahl und Zwietracht.
Da ward seine Zeit gekommen. Er rief Gundlo abermals zu sich und besprach
den Untergang des Dorfes. Als sie sich einig waren und Gundlo fort war,
hob der Teufel seine Hände und beschwor ein riesiges Unwetter über
das Dorf. Es krachte, blitzte und donnerte. Die Dorfbewohner erschraken.
Sie verkrochen sich in ihre Häuser und hielten sich die Ohren zu.
Jedoch keiner beschützte den anderen, selbst in der Not hielt das
Dorf nicht mehr zusammen.
Dann kam ein gewaltiges Erdbeben. Es stemmte Bäume, ja sogar Häuser
aus der Erde. Dadurch entstand ein mächtiger Riss, der sich durch
das Dorf zog. Er verlief zwischen den Häusern und öffnete sich
zu einer tiefen Spalte. Er riss die Hälfte der Häuser mit sich
in die Hölle...
Nun, als das Beben vorbei war und es aufgehört hatte zu blitzen,
sah man ein Bild der Zerstörung. Es stand nur noch die eine Hälfte
des Dorfes und statt der anderen sah man nur noch einen riesigen Graben.
Den Teufelsgraben! Darin war die andere Hälfte versunken. Tief hinab,
bis zum Teufel in die Hölle.
Das war nun die Bestrafung für die Uneinigkeit und den Egoismus
der Bewohner. Die einen wurden von einem Tyrannen regiert, die anderen
waren dem Teufel verfallen. So endete das große Unglück um
den Teufelsgraben.
Lena Sieder-Semlitsch
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