Der Teufelsgraben

Einst lebte in einem kleinen Dorf in den österreichischen Alpen ein armer Müller. Er hatte fast kein Geld und nur trockenes Brot zu beißen. Doch er hatte etwas, das nur wenige Menschen seines Dorfes hatten: Freude am Leben und ein gutes Herz .
So kam es eines Abends, dass ein altes Mütterchen vor seiner Türe stand und ihn um ein Dach über dem grauen Kopfe bat. Sofort willigte der gute Müller ein und sie aßen gemeinsam von seinen kargen Vorräten.
Es waren sieben volle Wochen vergangen, als das Weib eines Abends sprach: „Guter Mann, ich will dir danken. Du sollst dir alles wünschen können und ich werde es dir erfüllen. Doch du musst dabei in deinem Herzen immer gut sein und Armen helfen. Sonst wirst du dir wünschen, ich hätte dir dieses Angebot nie gemacht!“
Der Mann fragte misstrauisch: „Wie vermagst du dies zu tun? Oder bist du etwa eine Hexe?“
Das Weib sprach: „Schweig, Müller! Lass das nur meine Sorge sein.“
So dachte er sich nichts weiter und als das Mütterchen ging, verabschiedete er sie freundlich.
Am Anfang hielt sich der Müller fest an sein Versprechen, für den alten Bettler wünschte er sich einen Mantel, für den einsamen Fischer ganze Netze voll Forellen und für die alte Witwe etwas Geld.
Doch langsam grämte es den armen Müller, immer nur für andere Gutes zu wünschen.
So kam es, dass er anfing, immer mehr für sich zu wünschen .
Zum Schluss hatte er einen großen Gutshof, Mägde, Knechte, viele Tiere und natürlich Geld.
Und wie das so ist mit dem Geld, so wurde der Müller, der einst so gut gewesen war, immer habgieriger und böser.
Das missfiel der alten Frau, die wohl bemerkte, wie der Mann sich veränderte. Und so kam es, dass das Weib abermals bei dem Müller um Obdach bat, doch der jetzt so böse Mensch verweigerte es ihr.
Da rief die Frau: „Habe ich dich nicht gelehrt nur Gutes mit deinen Wünschen zu tun?
So möge der Teufel dich holen, dich und deinesgleichen ! Steigt hinab in die Tiefe, wo niemand euch zu helfen vermag!“
Kaum hatte das Weib gesprochen, donnerte und rauchte es gewaltig und ein tiefer, breiter Graben tat sich unter des Müllers Füßen auf. Er stürzte hinein und ward nie wieder gesehen.
Und jeder aus dem Dorf, der anderen schlimmes Unrecht tat, wurde in den Graben gezogen, der so tief war, dass niemand den Boden erblicken konnte.
Seither sagt man, der Teufel selbst ziehe die bösen Menschen dort in die Hölle, und
noch heute kennt man diesen Graben als den „Teufelsgraben“.

Alix Schulz

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