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Der Teufelsgraben
In alter Zeit herrschte König Harald über das Gebiet, das
heute Österreich heißt. Er hatte eine Tochter, welche die Schönste
in ganz Europa war. Sie hieß Adele. Weil aber der König bei
der Geburt Adeles verkündet bekam, dass der Bräutigam sein Schloss
und die ganze
Hauptstadt zerstören würde, stellte er jedem Freier eine unlösbare
Aufgabe: Nur derjenige, der des Königs Schlitten in einem Wettrennen
besiegte, sollte die schöne Adele heiraten dürfen. Diese Aufgabe
war unlösbar, weil der König den besten Schlitten der Welt besaß.
Wer es nicht schaffte, wurde als Sklave verkauft.
Die Jahre vergingen und schon viele stattliche junge Männer hatten
vergeblich ihre Heimat verlassen, als eines Tages sogar der Teufel ein
Auge auf die Königstochter warf. Er liebte sie natürlich nicht,
aber er begehrte ihre Jugend und Schönheit. Der Leibhaftige verwandelte
sich in einen reichen, aber hässlichen Menschen und trat so vor den
König, um um Adeles Hand anzuhalten. König Harald erklärte
dem Teufel die Regeln und setzte als Zeitpunkt den nächsten Morgen
fest. Adele aber hatte schon einen heimlichen Geliebten, und zwar den
Müllerssohn Bruno, der zwar so arm war, dass er sich keinen eigenen
Schlitten leisten konnte, aber als der Pfiffigste im ganzen Land bekannt
war.
Als am nächsten Morgen das Rennen stattfand, gewann – natürlich
- der Teufel mit zehn Längen Vorsprung. Als das Ergebnis bekannt
gegeben wurde, packte er die Schöne und verschwand mit ihr in seine
finstere Burg.
Aber Meister Urian hatte seine Rechnung ohne Bruno gemacht, der den Hilfeschrei
seiner Geliebten sehr wohl gehört hatte und dem Teufel gefolgt war.
Bruno brauchte eine lange Zeit um überhaupt herauszufinden, wo der
Teufel Adele versteckt hatte. Viele Befreiungsversuche scheiterten, doch
eines Nachts, als sich der Teufel zum Hexenfest auf den Brocken begeben
hatte, gelang es ihm tatsächlich, Adele zu befreien.
Als der Teufel am nächsten Morgen zurückkam und sah, dass Adele
verschwunden war, erfüllte sich die Prophezeiung: Der Teufel ließ
die blühende Hauptstadt samt ihrem prächtigen Schloss in einen
tiefen Abgrund verschwinden. Seit jener Zeit bleiben die Leute an dieser
Schlucht stehen, denken an jene alte Geschichte und flüstern sich
den Namen „Teufelsgraben“ zu.
Veronika Nikolai
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