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Der Teufelsgraben
Vor vielen Jahren lebte der Teufel nicht in der Hölle, sondern
in einer Höhle, die gut versteckt in den österreichischen Alpen
verborgen lag. Er war brutal zu Mensch und Tier. Die Seelen verunglückter
Wanderer holte er zu sich und ließ sie für sich arbeiten. „Ach,
ist das ein schönes Leben! Die Menschen vom Dorf trauen sich nicht
zu mir herauf und wenn, dann stürzen sie in die Tiefe, dafür
sorge ich schon!“, dachte er einst bei sich, als zwei junge Burschen,
die beim Klettern verunglückt waren, an ihm als leichte Schatten
vorbeiglitten.
Die Leute im Dorf hatten Angst, dass er sie auch bald heimsuchen würde:
„Gegen den Teufel können wir nichts tun!“, klagten sie,
doch damit hatten sie nicht Recht. Denn eines Tages kam ein fröhlicher
und mutiger Jüngling durch die Gassen des Dorfes geschlendert. Er
hieß Peter und wollte die schöne Gegend erforschen. „Das
Wandern ist des Müllers Lust, das Wandern!“, sang er vergnügt,
als vor ihm plötzlich ein alter Mann stand. „Du willst wandern
gehen? Dann pass aber gut auf, dass du dem Teufel nicht begegnest! Wir
Dorfbewohner trauen uns nicht mehr hinaus“, sagte er warnend zu
Peter. „Ach was! Du willst mir bloß Angst einjagen!“,
lachte er. „Und wenn, dann besiege ich ihn!“, spottete Peter.
„Das wollten schon viele, doch sie kamen nie zurück“,
sprach der alte Mann und verschwand.
Peter der zwar etwas ins Zweifeln gekommen war, machte sich dennoch sofort
auf den Weg. Nach etwa zwei Stunden kam er in einen dunklen Wald. Die
Vögel hatten aufgehört zu zwitschern. Peter fröstelte etwas.
„Wenn es jetzt doch den Teufel in diesen Wäldern....? Ach was!“,
dachte er und verscheuchte diesen grässlichen Gedanken schnell aus
seinem Kopf. Inzwischen hatte der Teufel ihn entdeckt. Das ständige
Hinunterwerfen von Wanderern langweilte ihn. Um seine Langeweile zu bekämpfen,
beschloss er diesmal den Burschen zu sich vordringen zu lassen um ihm
dann eine Aufgabe zu stellen. So geschah es auch.
Kurze Zeit später stand Peter vor dem Eingang der Höhle. Plötzlich
stieß Rauch aus der dunklen Höhle hervor und der Teufel persönlich
stand vor ihm.
„Dann g..g..gibt es d..d...dich also doch?“, stotterte Peter
ängstlich. „Natürlich gibt es mich! Aber dich bald nicht
mehr, wenn du mir nicht eine Aufgabe erfüllst!“, sprach der
Teufel. Ein Fünkchen Hoffnung kam in Peter auf, dass er womöglich
doch noch leben dürfte. Dieser erlosch aber schnell, als der Teufel
sagte: „Du musst meinem Erzfeind, dem Engel namens Justus, drei
goldene Haare stehlen, das wird dir nicht leicht fallen, denn seine Haare
sind ihm das Liebste, was er hat!“ Mit diesen Worten verschwand
der Teufel und Peter stand alleine da. Auf dem Weg ins Dorf überlegte
er fieberhaft, wie er das anstellen könnte. Im Dorf angekommen, kam
Peter der rettende Gedanke.
Er hatte auf dem Markt eine Pflanze namens „Engelshaar“ gesehen.
Wie der Name besagt, sah sie wie die feinen, goldenen Haare eines Engels
aus. Das war die Rettung für Peter. Als es langsam düster wurde,
ging Peter zurück zum Teufel. Das Engelshaar hatte er fest in der
Hand. Als er vor der Höhle stand, rief er: „Ich habe die Haare!“
Wie aus dem Nichts kam der Teufel herbei. Die Pflanze sah dem Engelshaar
so ähnlich, dass selbst der Teufel den Schwindel nicht bemerkte.
„Wie hast du das geschafft?“, rief er zornig. „Soll
mich vor Scham die Unterwelt holen!“, brüllte er ohne weiter
nachzudenken. Der Boden tat sich auf und der Teufel wurde samt seiner
Höhle in die Unterwelt geholt.
Peter wurde groß gefeiert als er ins Dorf zurückkehrte. Er
behielt das Engelshaar als Andenken an die Begegnung mit dem Teufel.
Dort wo einst der Teufel sein Unwesen getrieben hat, erinnert ein großer
Graben daran. Dieser wird noch heute der „Teufelsgraben“ genannt.
Christina Hoffmann
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