Die Dreihexenspitze


Marie war mit ihren Eltern schon ein paar Stunden in Richtung Italien unterwegs. Sie schaute aus dem Fenster, denn ihr war langweilig. Gerade fuhren sie durch die österreichischen Alpen, als Marie plötzlich stutzte. Was war den das für ein komischer Berg? Unten war er sehr breit, doch dann wurde er plötzlich ganz schmal, und Marie war es, als ob sie auf dem Gipfel ganz kurz drei Gestalten und etwas glitzern gesehen hätte. Erstaunt fragte sie ihre Mutter, was das gewesen sei. „Ja, das kann schon sein, dass du die drei Hexen gesehen hast“, entgegnete die Mutter. Drei Hexen? Jetzt war Marie aber gespannt. Also fing die Mutter an zu erzählen:
„Vor langer Zeit lebten in einem kleinen Dorf in Österreich drei alte Hexen. Sie waren Schwestern und eigentlich auch immer einer Meinung. Sie waren alle von der gleichen Sorte, das heißt, sie kannten nur die böse Magie. Sie trieben im ganzen Dorf und in der Umgebung ihr Unwesen. Geld, Gold, alles was glitzerte, das wollten sie haben. Mit Geschick lockten sie die Leute aus ihren Häusern. Wenn sie dann aber draußen waren, liefen die Drei hinein, nahmen alles Gold aus den Häusern und lachten die Menschen aus. Dann versteinerten sie Haus und Hof, Mensch und Tier. Keiner entkam ihnen. Das Gold trugen sie zu einem großen Haufen zusammen. So ging es viele Jahre, und die Menschen klagten sich ihr Leid. Mittlerweile hatten die drei Schwestern fast das halbe Dorf versteinert. Es war ein riesiger Berg entstanden. Nur die Spitze fehlte noch. Ein paar Wochen später kam ein altes Weiblein in das Dorf. Als es hörte, was geschehen war, versprach es den Menschen im Dorf zu helfen. Diese lachten bloß, denn sie glaubten nicht, dass eine alte Frau die drei Hexenschwes-tern vertreiben könne. Doch das alte Weib wusste, was sie tun konnte. Sie sagte den Leuten, jeder von ihnen sollte ihr ein wenig Gold überlassen. Dann würde sie die Schwestern schon vertreiben. Die Leute glaubten nicht daran, taten aber, was ihnen geraten worden war. Das alte Weiblein bestellte die drei Schwestern mit einem Vorwand auf den Berg, auf dessen Spitze sie schon einen großen Haufen Gold gelegt hatte. Als die Schwestern das Glitzern sahen, stürzten sie sich alle gleichzeitig darauf. Aber sobald sie das Gold berührten, versteinerten sie ebenfalls. Keiner weiß, wie das dem alten Weib gelang, aber die Menschen des Dorfes verehren die Frau noch heute.“
Maries Mutter sah Marie an. Aber die war ganz in Gedanken versunken und dachte an die drei Hexenschwestern.

Svala Grimberg

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