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Kritiker-Society

Die Schüler der "Kritiker Society" lesen selbst gern und haben es sich zur Aufgabe gemacht, andere auf lesenswerte Neuerscheinungen aufmerksam zu machen. Hierzu beschäftigen sich die Literaturkritiker mit ausgewählten Büchern, z.B. den Nominierungen zum Deutschen Jugendliteraturpreis oder den Büchern, die bei der Münchner Bücherschau gezeigt werden. Auch besuchen sie Buchhandlungen und Bibliotheken, sprechen mit Buchhändlern, Lektoren, Juroren und Autoren ...

Die Kritiker Society verfasst eigene Kritiken, die z.B. in der Schülerzeitung veröffentlicht werden, organisiert Vorleseaktionen und gestaltet eine Wand mit Buchtipps in der Bibliothek, die zum Meinungsaustausch über Bücher anregen soll.

Treffen der Kritiker Society: freitags von 13.15- 14.45 Uhr in der Bibliothek

Buchtipp des Monats:

"Jetzt ist alles, was wir haben" von Amy Giles

(cbj Verlag, 400 Seiten)


Buchkritik zum Buch des Monats

Jetzt ist alles, was wir haben
Amy Giles

Gewalt. Geheimnisse. Zerrissenheit. Liebe. Perfektion.

Hinter der makellosen Fassade der reichen McCauleys verbirgt sich ein hässliches Geheimnis. Hadleys Vater ist ein Kontrollfreak – und mehr als das. Seine Erwartungen an Hadley sind hoch, trotzdem versucht sie alles, um diese zu erfüllen und ihn bei Laune zu halten. Denn sonst … Doch ihr Vater schreibt ihr alles vor und verbietet ihr jegliche Freiheiten – sie muss im Lacrosse-Team spielen, weil er es in seiner Jugend getan hat, sie muss Flugstunden nehmen, weil er fliegen liebt, sie muss auf das College, das er damals schon besucht hat, und sie darf keinen festen Freund haben.
Dennoch verliebt sie sich in Charlie Simmons und er sich in sie. Als einziger kommt er an Hadley heran und ahnt das Ausmaß des Missbrauchs von ihr. Doch aus Angst um ihre Schwester verhindert Hadley, dass Charlie sie vor ihrem Vater beschützt. Und trotzdem beginnt die Fassade der ehrgeizigen Schülerin, erfolgreichen Sportlerin und braven Tochter zu bröckeln und zum Vorschein kommen Verzweiflung, Gewalt, Hass und Wut.
Es bahnt sich eine Katastrophe an und Hadleys (innerer) Kampf scheint nie enden zu wollen.

Ganz langsam nur erfährt der Leser von den Rissen in Hadleys scheinbar perfekter Welt, zuerst wird der Schrecken bloß angedeutet, bis es zum Ende hin immer wieder heftig eskaliert. Ihr Schicksal lässt den Leser alles andere als kalt – zu real wirkt es. Missbrauch von Kindern ist kein leichtes Thema, aber zugleich eines, das nicht länger totgeschwiegen werden sollte. Denn auch, wenn die McCauleys nur erfunden sind, gibt es viele Familien und Kinder, die mit der gleichen Situation leben müssen.
Auf einer zweiten Zeitebene wird zugleich erzählt, wie Hadley nach der Katastrophe versucht, das Trauma zu verarbeiten und wieder nach vorne zu schauen.
In jedem Moment, unabhängig davon, ob er davor oder danach spielt, sind Hadleys verzweifelte Gefühle präsent, ihre Verzweiflung und Angst. Mit treffenden und berührenden Worten ermöglicht die Autorin dem Leser, sich in die Lage der Protagonistin hineinzuversetzen, und mit ihr zu hoffen und zu leiden.
Der Roman ist vielschichtig, auf mehreren Ebenen etwas ganz Besonderes.
Vom Plot über die Charaktere bis hin zu dem Schreibstil - ein rundum gelungenes Debüt.

Wir empfehlen das Buch ab 14 Jahren.

Franziska (9a)
Anna (6d)


Buchkritik zum Buch des Monats Januar

One of us is lying
Karen M. McManus

Ein Toter, vier Verdächtige - und einer von ihnen lügt.

Simon, Admin der berüchtigten Gossip-App der High-School, bricht beim Nachsitzen zusammen und stirbt kurz darauf im Krankenhaus.
Die Polizei ermittelt wegen Mord - verdächtigt werden die vier Jugendlichen, die mit Simon nachsitzen mussten. Denn jeder der vier hat ein großes Geheimnis zu verbergen - und somit ein Motiv.
In den Wochen nach dem Vorfall wird das komplette Leben der Jugendlichen auf den Kopf gestellt, Medien berichten über sie, Freunde wenden sich ab und sie sind in keiner Minute mehr unbemerkt. Während jeder von ihnen auf eigene Weise verzweifelt versucht, seine Unschuld zu beweisen, werden täglich neue Zusammenhänge, Beweise, und auch Widersprüchlichkeiten aufgedeckt. Zeitweise schließen sich die Jugendlichen dafür sogar zusammen, tauschen Informationen aus, aber alles heimlich, da sie das nur noch verdächtiger macht. Sie freunden sich an, und vielleicht ist da sogar mehr zwischen zwei von ihnen - bis ihre Geheimnisse schließlich auffliegen und einer von ihnen festgenommen wird.

Die vier komplett unterschiedlichen Charaktere wachsen einem schnell ans Herz, sodass man von Anfang an hofft, dass es niemand von ihnen war – und doch fiebert und rätselt man natürlich mit, wer denn jetzt so „perfekt“ lügt und den Mord begangen hat.
Sehr geschickt schafft es die Autorin, dass es sehr lange nicht eindeutig wird, wer denn nun der Täter ist. Es werden immer wieder neue Aspekte beleuchtet, sodass sich, sobald man meint, die Lösung herausgefunden zu haben, alles wieder ändert. Und das, obwohl die Geschichte abwechselnd aus der Perspektive der vier Jugendlichen erzählt wird.
Doch wer nicht viel hält von Bad Boys, Sex und High-School-Dramen, muss sich an einigen Stellen durchbeißen oder diese überspringen. Denn, wie könnte es in einem amerikanischen Roman auch anders sein, tauchen in der Geschichte immer wieder diese „typischen“ Klischees auf.

Dennoch empfehlen wir das Buch (ab 14 Jahren)!

Emma und Franziska (9a), Neza (9c), Milada (9e)