Killer Cola

Unthinkable, Undrinkable!


Fanta, Sprite, Bonaqua, Lift, Nestea und ungefähr 230 andere Getränkemarken auf dieser Welt haben eins gemeinsam. Sie gehören der Coca-Cola Company. Diese gilt als die wertvollste Marke der Welt und wird auf einen Wert von $ 67,5 Milliarden geschätzt. Zu ihren Werbepartnern zählen Stars wie Michael Ballack und Christina Aguilera. Coca Cola weiß sich zu verkaufen, aber dass das Unternehmen mehr Dreck am Stecken hat als Marken aufgekauft, weiß fast niemand.

Indien

Zwei Drittel des Umsatzes von Coca-Cola werden außerhalb der USA gewonnen, so auch in Indien. In Plachimada erbaute die Coca-Cola Company 1998 einen Brunnen zur Absaugung der Grundwassers. Dieser pumpte täglich 1,5 Mio. Liter Wasser zur Herstellung ihrer Softdrinks ab. Der Grundwasserspiegel sank daraufhin so drastisch ab, dass die Reisplantagen rundherum komplett austrockneten und das Trinkwasser zur Neige ging. Erst 2003 wurde der Betrieb endgültig geschlossen, da die Behörden Coca-Cola die Lizenz verweigerten. Der Skandal blieb jedoch weitestgehend ohne Folgen.

Kolumbien

Als aber Anfang dieses Jahres bekannt wurde, dass die Coca-Cola Company in direktem Zusammenhang mit dem Tod von acht Gewerkschaftern stehen soll, wurde die Öffentlichkeit aufmerksam. Dass die Unternehmensleitungen willkürlich und gewerkschaftsfeindlich handeln, ist bei der „Coke and Panamerican Beverages Inc.“, der Tochterfirma von Coca-Cola, nichts Neues. 1996 wurde Isidro Gil, Gewerkschaftsvertreter einer Cola-Abfüllanlage in Kolumbien, während der Tarifverhandlung ermordet aufgefunden. Dokumente legen, eine Zusammenarbeit von Konzern, Paramilitär und staatlichen Stellen nahe.
Erst in letzter Zeit wurde der Tod von acht weiteren Gewerkschaftsmitarbeitern bekannt.
Weder ein groß angelegter Hungerstreik der Arbeiter in mehreren Städten noch eine Klage der kolumbianischen Ernährungsgewerkschaft konnte die Coca-Cola Company zu einem öffentlichen Statement bringen. Dabei ist längst klar, dass es vom Unternehmen systematische Aktionen zur Schwächung oder Ausschaltung der Gewerkschaften gibt. Dabei spielt oft die Zusammenarbeit mit dem Paramilitär eine Rolle.

Boykott

Als Erstes reagierten die amerikanischen Universitäten auf den Skandal und beschlossen einen Boykott des Softdrinkherstellers. In mehr als 20 Unis ist die „böse Brause“ nun aus der Cafeteria verschwunden. Es gab zahlreiche Demonstrationen und vor allem die „Unthinkable, Undrinkable!“ - Kampagne erregte großes Aufsehen. Verträge mit Cola wurden gekündigt oder ausgesetzt, worauf das Unternehmen sich zur öffentlichen Erklärung durchrang, den Morden in Kolumbien nachzugehen.
In Italien beteiligten sich fünf römische Bezirke und mehrere Städte an dem Boykott. Auch bei der Olympiade in Turin gab es Proteste und Kundgebungen. Dort fungierte Coca-Cola als Hauptsponsor.
Den größten Erfolg in Deutschland hatte der Boykott in Wuppertal. Dort beteiligten sich viele Lokale und eine der größten Diskotheken an der Aktion. In München hat bis jetzt das Café Ruffini offiziell verkündet Cola und Co. Nicht mehr auszuschenken.

Coca-Cola und die WM

Coca-Cola hat es sich Millionen kosten lassen, „offizieller Sponsor“ der FIFA-Fußball-WM zu sein. Oliver Bierhoff ist Markenbotschafter und die Balljungen heißen „Coca-Cola Ballcrew“. Überall wird einem der rote Schriftzug dieses Jahr entgegenleuchten. Millionen von Fußballfans werden den Geschmack von Cola, Cola Light, Cola Lemon und Cola Cherry im Mund haben. Er sollte einen bitteren Nachgeschmack haben.

Lisa T.


Was ist eine Gewerkschaft?
Gewerkschaften vertreten die Interessen der Arbeiter, z.B. in einer Firma. Sie setzen sich für Lohn und anständige Arbeitsbedingungen ein und rufen notfalls zum Streik auf.
Gewerkschaften sollen in Deutschland unabhängig von politischen Parteien, Kirchen, Staat und Arbeitgebern sein, und bereit und fähig, die Interessen ihrer Mitglieder nicht nur mit Kampfmaßnahmen zu verfolgen.
Was ist das Paramilitär?
Als Paramilitär werden inoffizielle, nicht staatliche, militärisch organisierte Gruppierungen bezeichnet, die sich polizeiliche oder militärische Kompetenzen anmaßen, um außergesetzlich eigene oder insgeheim staatliche innen- oder außenpolitische Absichten mit Gewalt durchzusetzen. Auch irreguläre Verbände, die im Auftrag fremder Staaten in anderen Staaten eingreifen, werden Paramilitär genannt.