Ich hab immer Pumuckl gehört


Ein Interview mit dem Bürgermeister von Gräfelfing über Herrn Schmitz, Bayern, Benjamin Blümchen und andere Dinge im Leben eines Politikers ...

Als Herr Schmitz an unsere Schule kam, waren Sie gerade in der Unterstufe. Können Sie sich noch an die ersten Schritte des neuen Musiklehrerchefs erinnern?

Ja, das war 1996, äh 1986, als er kam. Da bin ich mir sehr sicher, weil ich da in der sechsten Klasse war. Im ersten Jahr habe ich noch Herrn Ernstberger als Direktor mitbekommen.
Ich hatte Herrn Schmitz nie selbst in Musik. Aber es war klar, dass er das durchaus schon vorhandene Musikgeschehen am KHG noch mehr ausbauen wollte. Ein Ziel von ihm war es, einen musischen Zweig am KHG anzubieten.

Einen musischen Zweig so wie am Pestalozzi-Gymnasium?


Ja genau, und das hätte er auch fast geschafft, nur zwei Anmeldungen haben am Ende gefehlt.
Aber er war vor allem ein anderer Direktor und nicht sofort der Musiklehrer, denn im Vergleich zu seinem Vorgänger Ernstberger hat sich das Klima schon geändert. Alles wurde sehr viel strenger; es wurde mehr auf Disziplin geachtet. Es gab zum Beispiel auch weniger Hitzefrei.

Heute ist es so, dass man Herrn Schmitz auch in der Pausenhalle und auf dem Gang vorfinden kann, so dass die Schüler mit ihm auch reden können. War das damals denn auch schon so?

Nein. Er wirkte mehr wie ein Ministerialbeamter: gut gekleidet, sehr korrekt und mit großen Zielen, die er zunächst eher vom Schreibtisch aus verfolgte.
Man hat auch endlich mal die Durchsagen verstanden. Herr Ernstberger hat immer sehr leise geredet; der kam mit der Technik nicht so zurecht. Bei Herrn Schmitz’ erster Durchsage bin ich richtig erschrocken, er hat so laut und klar gesprochen; man hat das erste Mal alles verstanden.

Wird sich in der Liste der Ministerpräsidenten nach Stoiber und Strauß bald auch der Name Göbel finden?

(lacht) Ja, wenn ich das wüsste ... (ernst) Nein, sowas kann man nicht voraussagen; ich bin jetzt Bürgermeister von Gräfelfing und ich möchte mich dazu auch wieder aufstellen lassen.

Was war Ihre Reaktion, als Stoiber sich im letzten Herbst plötzlich aus Berlin zurückzog?

Ich hab den Schritt, nach Berlin zu gehen, von Anfang an für falsch gehalten, deswegen war der Rückzug für mich auch nicht überraschend. Denn der Posten des bayerischen Ministerpräsidenten hat eine große Bedeutung und ist ein ganz besonderes Amt, denn Bayern ist unter den Bundesländern ein ganz besonderes. Bayern hat als Freistaat auch eine gewisse Eigenständigkeit.
Diese Entwicklung der Dinge zeugte von Stoibers Wunsch, die gute Politik Bayerns auf Berlin zu übertragen. Doch als Bundesminister kann man nicht so frei agieren wie als bayerischer Ministerpräsident.

Halten Sie es für realistisch, dass es in den nächsten 50 Jahren einen bayerischen SPD - Ministerpräsidenten gibt?

(lacht) Realistisch ist in diesem Fall, glaub ich, nicht angebracht. Dabei gab es ja schon mal einen SPD-Ministerpräsidenten: Wilhelm Högner, unter dem die bayerische Verfassung geschaffen wurde. Aber, weshalb die SPD immer Schwierigkeiten hat und haben wird, ist, dass die CSU rein bayerisch und somit auch eigenständiger ist. Und das „S“ für sozial ist schließlich nicht umsonst im Namen CSU enthalten, denn die CSU packt auch soziale Themen an, die in anderen Bundesländern sonst eher die SPD als Thema hat.
Aber ich halte die derzeitige Verteilung der Rollen auch nicht für dramatisch. (lacht)

Wie weit kommt Deutschland bei der WM?

(lacht mal wieder) Diese Frage beantworte ich lieber nicht. Aber ich wünsche Deutschland alles Gute.

Wer wird Weltmeister?


(nach kurzem Nachdenken) Die Schweiz!

Was für einen Wagen fahren Sie?


Einen Audi A6

Welche Sportarten praktizieren Sie beim TSV Gräfelfing?


Ü berhaupt keine! Früher habe ich Fußball gespielt, jetzt „praktiziere“ ich Verwaltung.

Haben Sie Familie?


Ich habe keine Kinder und bin auch nicht verheiratet. So gesehen habe ich noch keine eigene Familie.

Was ist ihr Lieblingsfilm?


(Überlegt) Das ist nicht leicht ... Aber doch! Ich denke „Harry und Sally!“

Was machen Sie am Freitagabend?


Ja, eigentlich sitzte ich im Büro und arbeite.

Was war Ihre erste Reaktion auf die Argumentation von Edmund Stoiber zum Transrapid, die momentan im Internet kursiert?


Wieso man ganze 10 Minuten dafür braucht.

Können Sie ein Bierfass anzapfen?


(lacht und zeigt seinen Daumen, siehe Photo) Das ist der Beweis dafür. Eigentlich hätte ich es erst richtig gemacht, aber dann kam der Mensch vom Augustiner und meinte: „Nee, des müssns so halten!“ Und dann hab ich mir den Daumen gebrochen. Aber beim Bieranzapfen kann man sowieso nur verlieren! Entweder man macht es schlechter, oder kriegt es höchstens gleich gut wie der Ude hin. Aber neulich bei der Maifeier hab ich es ganz gut hingekriegt.

Zu welchem Anlass musste Ihr Finger dann dran glauben?


Das war bei einer Gemeinderatssitzung.

Aha, gibt’s da immer Bier vom Fass, da sollt man sich den Job ja echt nochmal überlegen?


Nein nein, das war schon eine Ausnahme!

Was ist Ihr Lieblingsbierzelt auf der Wiesn?


Der Schottenhammel

Können Sie fingerhakeln?


Ich nehme an! Ich habe es schon Ewigkeiten nicht mehr gemacht. Aber meine richtige Schwäche ist das Schafkopfn...

... womit wir schon bei der nächsten Frage wären: Wie weit sind Sie beim letzten Preisschafkopfn gekommen?


Ja, wie gesagt, ich konnte es noch nie g’scheid. Daher hab ich da auch noch nie teilgenommen. Die anderen lachen schon immer.

Die erste Strophe der Bayernhymne bitte?


„ Gott mit dir, du Land der Bayern, deutsche Erde, Vaterland! äh“, fängt das Summen an „...über deinen weiten Fluren...“ Jetzt bin ich total durcheinander ich müsste es wirklich singen.

Tun Sie sich keinen Zwang an!


(spricht weiter) „...ruhe seine Segenshand! Er behüte deine Fluren, schirme deiner Städte Bau...“ (mit Nachhelfen) „...und erhalte dir die Farben deines Himmels, weiß und blau!“ - Nein, es ist wirklich schwierig, so einen Text, den man sogar oft singt, aufzusagen.

Wann singen Sie den denn so häufig?


Naja, an allen Fest- und Feiertagen, zum Beispiel am Volkstrauertag am Eichendorff-Platz. Bei allen Sitzungen des bayerischen Städtetags und natürlich jedem CSU-Parteitag.

Können Sie uns das Wappen von Gräfelfing skizzieren?

Was haben Sie denn noch für innovative Pläne für Gräfelfing?

Ach, viele: Den Autoverkehr aus dem Wohnbereich drängen, das Gewerbegebiet attraktiver machen, die Vision, beim Jahnplatz und Eichendorff-Platz ortsplanerisch tätig zu werden ...

Was war Ihr größtes Opfer im letzten Wahlkampf?


Der Wahlkampf ist eine grausame Zeit! Er selbst ist das Opfer. Am schlimmsten sind die emotionalen Tiefschläge, die man aushalten muss. Und die sind teilweise unter der Gürtellinie. Zum Beispiel wurde kurz vor dem Ende ein gemeiner Brief an alle Gräfelfinger Haushalte geschickt. Aber das ist Politik!

Identifizieren Sie sich mit der Bürgermeisterfigur aus Benjamin Blümchen?


Den gab’s bei mir noch nicht richtig. Ich hab’ immer Pumuckl gehört. Aber ich erinnere mich, dass meine kleinen Brüder das dann schon hatten.

Hm, da gibt’s schon einen Bürgermeister, der wird doch immer von dieser rasenden Reporterin heimgesucht.


Karla Kolumna?!
Ja genau! Und deswegen kann ich mich schon mit ihm identifizieren, denn rasende Reporter interviewen mich auch ständig, bis hin zur Schülerzeitung (lacht)
(Was sollen wir denn von diesem Vergleich halten?)

Wo wird Ihre Bürgermeisterkette aufgehoben?


In dem Schrank da! (Holt sie heraus!)

Könnte die mal einer von uns anziehen?


Anziehen schon, aber kein Photo davon machen.

Warum?


Die Kette ist mehr als nur ein Schmuckstück, nur der Bürgermeister darf sie tragen! Wie die Krone der Queen zum Beispiel. Da könnte es dann passieren, dass man Ihnen unangenehme Fragen stellt.

Was ist eigentlich die aktuelle Regelung für Jugendparties in der Mehrzweckhalle des KHGs?


Es dürfen prinzipiell welche stattfinden, aber es gibt einen sehr großen Auflagenkatalog, der in Zusammenarbeit mit eurer SMV, die ja die Veranstaltungen organisiert, ausgearbeitet wurde.

Wie war das zu Ihrer Zeit mit den Jugendparties?


Die waren natürlich auch rauschend, ausladend und oft problematisch, deswegen habe ich die ganze Diskussion auch mit einer Art stoischen Ruhe verfolgt. Aber es gab auch bei uns schon Ausschreitungen. Beim Abiturfest, das ich als Jahrgangsstufensprecher organisiert habe, haben sich, das Übliche halt, zwei betrunkene Halbstarke um eine Frau geprügelt. Mit durchaus ernsteren Verletzungen. Der Jahrgang nach uns durfte dann keine Abifeier mehr machen.

Was hatten Sie für Leistungskurse?


Latein bei Herrn Schwarze und Deutsch bei Frau Lechner-Fuchsbrunner.

Was war der Höhepunkt Ihres Abistreiches? Welcher Lehrer hat damals am meisten abgekriegt?


Wir hatten als Thema ein römisches Fest und sind daher alle in Togas und so rumgelaufen. Die Lehrer mussten mit selbstgebastelten Streitwägen, die von ihren Kollegen gezogen wurden, Wettrennen fahren. Das war für alle sehr lustig!

Alina B., Severin B. Max R.