Die Sache mit dem Schulweg

Kennt ihr das auch? Morgens, viertel vor 8. Du bist schon auf dem totalen Nullpunkt, weil du gerade erfahren hast, dass dich deine Eltern nicht zur Schule bringen können bzw. wollen. Mühselig schlägst du dich durch die Schneemassen zur Garage vor, um dein altes verrostetes Fahrrad innerhalb weniger Minuten in Gang zu bekommen. Deine Schuhe sind bereits durchnässt. Nach ein paar Minuten Fahrzeit merkst du, dass du deine Handschuhe und deine Lateinhausaufgabe, die du heute Morgen noch schnell machen musstest zu Hause vergessen hast. Egal! Einfach weiter. Du bist sowieso schon viel zu spät. Ein kurzer panischer Blick auf die Uhr: Es ist 10 vor. Da rutschst bereits das das 3. Mal auf dem eisigen Boden aus. Doch das Deprimierendste kommt Die Sache mit dem Schulweg noch: Während du dich weiterhin tapfer voran kämpfst siehst du wie mindestens ein Dutzend deiner Freunde - dabei auch noch hämisch angrinsend- in ihren großen, warmen Autos vorbei gefahren werden. Dich hat es das 4. Mal hingehauen. Es ist bereits 5 vor 8 und du solltest schon in der Schule sitzen. Da hast es fast geschafft. Nur noch diese eine Straße. Doch genau diese eine ist schlimmer als du dachtest. Weil fast die Hälfte aller KHG-Eltern darauf besteht, dass ihre Kinder mit dem Auto direkt vor die Tür gebracht werden, musst du dich genervt durch die Automassen kämpfen und dabei auch noch aufpassen, dass du keines der hochpolierten Lacke zerkratzt. Um 8 Uhr stehst du dann halb erfroren in deinem Klassenzimmer, um dir vom Lehrer eine Strafarbeit fürs Zuspätkommen abzuholen.

Sophie von Loeben