Max Rapp in England: School oder Schule?

Da Bayern eines der Länder ist bzw. war, in denen man neun Jahre Gymnasium hat/te, in dem die elfte Klasse als eine Art „Zwischenjahr“ eigentlich nicht besonders wichtig ist, bietet sich für alle die noch nicht Teil des „G8“ sind die Möglichkeit dieses Jahr in Deutschland auszulassen und dafür im Ausland zur Schule zu gehen. Solange es sich um eine dem Gymnasium äquivalente dem Auslandsjahr die Probezeit in der Zwölften besteht, ist das kein Problem. Die von Euch, die sich mit dem Gedanken tragen, nach England zu gehen und dort eine Privatschule zu besuchen, was ratsam aber ohne Stipendium leider auch nicht billig ist, sollten sich auf einiges gefasst machen. Bei eurem ersten Besuch wird euch womöglich ganz schön der Mund offen stehen: Schule bedeutet dann nämlich nicht, was wir uns darunter vorstellen, sondern meistens ein riesiges Hauptgebäude mit Klassenzimmern, Versammlungsräumen, einer Bibliothek und Computerräumen, dazu Kunst-, Design-, Sportzentren und oft um die 50-100 Hektar des umliebenden Landes mit massenhaft Fußball-, Rugby-, Hockey-, und Tennisplätzen.

Meistens sind diese Schulen Teil irgendeiner uralten Stiftung mit einem hehren Ziel wie „jungen Studierenden eine ausgezeichnete, christliche usw. Ausbildung und Reifung der Persönlichkeit zu ermöglichen“. So oder ähnlich hochtrabend hören sich mitunter die Gründungsmottos der Schulen an. Allerdings bietet eine solche Schule auch einiges für ihr saftiges Schulgeld. Man hat dort die Möglichkeit von höherer Mathematik bis Arabisch, vom Debattierclub bis zur Rockband und von Gymnastik bis Fußball fast alles an Fächern, Aktivitäten, und Sportarten zu betreiben, was man sich vorstellen kann. Man kann dort genauso gut eine Ausbildung zum Sportlehrer wie zum Berufsmusiker absolvieren, kann sogar einen Flugschein machen, wenn in der Schule ein CCF Camp (Combined Cadet Force, eine Art Pfadfindertruppe, die möglichst viele Jugendliche davon überzeugen soll, dass es unglaublich toll ist der britischen Armee beizutreten) existiert. Wenn man das alles aber gar nicht will, kann man auch einfach ein Jahr lang eine gute Zeit ohne Eltern aber mit Unmengen Gleichaltriger aus aller Herren Länder haben, nur die Sachen machen die man will (das kann fast nichts sein) und jedes Wochenende der Schule entfliehen. Außerdem hat man eine Unmenge an Ferien in denen man sich vom Schulalltag erholen kann.

Das Schülerparadies ist eine solche „Boarding School“ aber auch nicht: Es gibt strikte disziplinarische Regeln, Verstöße werden streng bestraft. In Lancing College (meiner Schule) führt etwa ein kleineres Vergehen zu „College Extra Duties“( hieß früher „Hard Labour“, wurde aber dieses Jahr aufgrund politischer Unkorrektheit und Missfallen bei den Schulinspektoren umbenannt ohne seine Bedeutung zu ändern: Harte, unangenehme Arbeit), Alkohol in der Schule oder Trunkenheit führt meist zu einer Suspendierung für z.B. eine Woche, Drogen und Sex gar zum völligen Ausschluss. Außerdem ist unter der Woche von 7-9 Uhr „Evening School“, d.h. Studierzeit, in der man in sich leise in seinem eigenen Raum, der Bibliothek oder einem Computerraum aufhalten sollte und nach Möglichkeit arbeiten sollte. Um zehn Uhr abends ist dann „Lock Up", d. h. Man muss im Haus (ein „Haus“ ist der Wohnort einer Gruppe von Jungen oder Mädchen) bleiben. Insgesamt ist es aber wirklich eine tolle Erfahrung, eine „Boarding School“ zu besuchen, ob man nun akademische Höchstleistungen anstrebt oder einfach nur neue Leute aus aller Welt kennen lernen will und ich persönlich bin mir schon gar nicht mehr so sicher, ob ich eigentlich nächstes Jahr wieder zurück nach Deutschland will oder meine Schulkarriere hier beende.