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Die Volksverdummung
Deutschland bleibt auch wirklich vor nichts mehr verschont:
Abends muss man sich vor dem Fernseher entweder mit dem zu jeder Zeit
dümmlich grinsenden
Stefan Raab oder mit schlecht geschminkten Boulevard – Magazin - Moderatorinnen
herumplagen. In den Werbungen feixt uns Franz Beckenbauer entgegen, der so
tut, als beabsichtige er, in nächster Zeit sogar seinen Kaisertitel
gegen den neuen O2-Vertrag einzutauschen. Niemand wird mehr als gebildeteter
Mensch bezeichnet, der nicht mindestens jede zweite Seite von Dolly Busters
Autobiographie „Und damit Buster“ auswendig hersagen kann. Und
jetzt hat sogar Dieter Bohlen, das Volksverdummungssymbol schlechthin, sein
erstes Parfum namens „Provocation“ herausgebracht.
Meiner Meinung
nach hätte es auch keinen anderen Namen tragen dürfen – denn
was wäre eine größe Provokation als der Slogan: „Ein
bisschen sein wie der große Star!“ Ja, juchhu, wir wollen alle
sein wie Didää Bohlen, der noch nicht mal seinen eigenen Vornamen
aussprechen, geschweige denn schreiben kann, aber efriges Mitglied der „Müller-Partei“ ist
und uns das Beweist, indem er jeden Joghurtdeckel mit seiner faltigen Präsenz
quält und alles tut, um uns den Appetit auf Müller-Milchreis zu
nehmen. Besten Dank! Such lieber weiter nach Superstars, oder wenigstens
nach „nichts als der Wahrheit“, du Überbleibsel aus einer
Zeit, wo du wenigstens so tun konntest, als würde irgendein Mensch tatsächlich
freiwillig „Modern Talking“ hören!
Was sollen wir gegen diese Welle der Geschmackslosigkeit nur tun? Okay,
Okay, wir können sämtliche Provokationen boykottieren, doch wird das ausreichen?
Irgendwie schafft diese Gesellschaft es ja doch immer wider, dass man ihr
Beachtung schenkt. Und sie es nur, weil man den Litfasssäulen kaum noch ausweichen
kann, die das Erscheinen der neuen „Gute-Zeiten-Schlechte-Zeiten“-Staffeln
ankündigen. Wir sind verloren in dieser Flut von Informationen über
degradierte Fußballspieler , die uns nicht interessieren. Das heißt, um uns nicht von dem Strudel der Qualitätsarmut ins Verderben
reißen zu lassen, bleibt uns nichts anderes übrig, als uns an die
Reliquien der letzten guten Bücher zu klammern und lauthals zu schreien: „Ich
bin ein normaler Mensch – holt mich hier raus!“ Lisa Hirtsiefer
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