Der Tod jedes gesunden Schulschlafs

Es ist der erste Schultag des neuen Schuljahres. Alle Schüler liegen, in Gedanken noch halb in den Ferien, hinter ihren Bänken und die Lehrer, die ebenfalls noch gerne am Strand lägen, versuchen die Schüler wieder in den traurigen Schulalltag zurückzurufen. Dies gelingt allerdings nur dem Mathelehrer der 9. Klasse und zwar mit einem kleinen, aber feinen Satz: „So, wir schreiben ja dann den bayrischen Mathetest in einer Woche.“ Danach sind allerdings alle Schüler wach, denn sie wissen jetzt sofort wie die nächsten sieben Tage für sie aussehen werden:

Tagtäglich irgendwelche sinnlosen Aufgaben lösen, bei denen man richtig spürt, wie sich die Klassen vor einem daran die Zähne ausgebissen haben und für die die Schüler mehr als das Doppelte an Zeit brauchen, als eigentlich vorgeschrieben. Netterweise sind jene Aufgaben aus der Wirklichkeit gegriffen wie zum Beispiel: Wenn ich die Zeit seit dem Urknall mit einem zehn Meter langen Papierstreifen darstellen will, wie viele Zentimeter vom linken Rand aus sind dann die ersten Dinosaurier.

Wenn der Tiefpunkt der Schüler erreicht ist, versucht der Lehrer die Klasse dadurch zu motivieren, dass er sie an die Wichtigkeit einer guten Schulbildung erinnert. Dies geschieht entweder durch den „altbewährten“ Satz: „Den Kindern in Afrika geht es nicht so gut wie euch...“ oder mit dem Argument, dass die Schüler sicher in ihrem späteren Berufsleben keinen „orangen Anzug“ sondern einen „blauen“ oder sogar einen „schwarzen Anzug“ anhaben möchten (ein Lehrer hat eine gute Schulausbildung und trägt überhaupt keinen Anzug, sondern Jeans und ein kariertes Hemd).
Wenn der Test, in dem natürlich komplett andere Aufgaben vorkamen als die, die man im Untericht gerechnet hatte, herausgegeben ist, geklärt ist was ein Quadernetz ist und, als krönender Abschluss ,der Lehrer, der „ganz überrascht“ ist, dass der Test mit einem Schnitt von 4,66 ausgefallen ist, seine Standpauke abgelassen hat, ist diese Horrorwoche beendet und man ist schon wieder ferienreif.

Doch man stellt sich schon die Frage, muss das eigentlich sein. Prinzipiell ist es schon in Ordnung, solche Tests durchzuführen (die armen Politiker müssen ja auch was zu diskutieren haben). Allerdings ist der Test in der Grundidee eine Prüfung der Lehrer und nur indirekt eine der Schüler, denn wir können den Grundwissenstoff natürlich nur so gut, wie sie ihn uns eingetrichtert haben. Aber die beiden schlechten Noten am Schuljahresanfang bekommen wir und nicht die Mathelehrer.

Doch müssen die Tests denn immer so schwer sein, es wäre doch auch für die Damen und Herren im „Kumi“ schöner, wenn sie sich über einen Schnitt von 2,98 freuen könnten. Das wollen sie aber nicht. Deswegen machen wir es wie immer, schieben wir ihnen alles in die Schuhe.

Severin Brodersen