Das in den 50er Jahren entstandene Stück des bekannten amerikanischen
Dramatikers Arthur Miller, der erst kürzlich, am 11. Februar
2005, verstorben ist, greift einen Vorfall auf, der sich im Jahr
1692 in der Kleinstadt Salem, Massachusetts, ereignete. Eine Gruppe
pubertierender Mädchen wird vom puritanischen Ortspfarrer
bei nächtlichen Ritualtänzen im Wald ertappt. Einige
erschrecken darüber so sehr, dass sie kurzzeitig in Ohnmacht
fallen und danach ein zunehmend hysterisches Verhalten an den Tag
legen, worauf man sie verdächtigt, vom Teufel besessen zu
sein. Um den Verdacht von sich abzulenken, fängt die Anführerin
der Mädchen damit an, unbescholtene Mitbürger zu denunzieren
und löst damit einen regelrechten Hexenwahn aus, der schließlich
zu Massenverhaftungen und zur öffentlichen Hinrichtung von
19 Beschuldigten führt.
Arthur Miller schrieb das Stück vor dem Hintergrund der Kommunistenjagd
in den USA während der McCarthy-Ära. Es zeigt exemplarisch,
wie es in einer von Angst und Misstrauen geprägten Gesellschaft
zu Massenverfolgungen kommen kann, indem man unliebsame Personen
dämonisiert, um sie dadurch zu vernichten. Miller selbst nannte
dies "die Sünde des gesellschaftlichen Terrors",
der darin bestehe, "den Menschen seines Gewissens zu berauben
und damit seiner Persönlichkeit".
Die Verquickung von Religion und Politik zur Sicherung von Machtpositionen
ist ein Phänomen, das auch heute noch in vielen Ländern zu beobachten
ist, nicht zuletzt auch in den USA unter der Regierung Bush.
Die Aufführung verzichtet bewusst auf eine historische Kostümierung,
sondern versucht das hysterische und zerstörerische Verhalten
der Jugendlichen als Reaktion auf eine von Angst und Unfreiheit
geprägte Gesellschaft darzustellen. Besonders eindrucksvoll
zeigt das Stück, wie unschuldige Menschen auch heute noch
durch systematische Einschüchterung bei Verhören zu erfundenen
Geständnissen gezwungen und in ihrer Persönlichkeit gebrochen
werden können.
Der Grundkurs Dramatisches Gestalten hat in den letzten Jahren
u.a. durch die Aufführungen von "Viel Lärm um nichts" (Shakespeare), "Die
Physiker" (Dürrenmatt) und "Krach in Chioggia" (Goldoni)
die Tradition anspruchsvollen Sprechtheaters am KHG fortgesetzt.