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100 Jahre Freistaat Bayern

Ein Projekttag am 23. April 2018

Liebe Schülerinnen und Schüler,

wenn man den Begriff „Heimat“ bei Google eingibt, bekommt man 15.500.000 Ergebnisse, und ziemlich weit oben folgende Definition: Hei–mat , Substantiv, die: 1. Das Land oder die Gegend, wo man geboren und aufgewachsen ist oder wo man sich zuhause fühlt, weil man schon lange dort wohnt. 2. Das ursprüngliche Herkunftsland von etwas.

Die Frage „woher kommst du“ und „wo bist du zuhause“ kann man aber unter Umständen gar nicht so leicht beantworten. Ist jetzt Heimat, wo meine Familie lebt? Wo ich gerne bin? Wo meine Sprache, mein Dialekt gesprochen werden?

Heimat, das ist für die meisten Menschen ein positiv besetzter Begriff. Heim, heimelig, daheim, haben damit zu tun. Da denkt jeder an seine Kindheit, an die Eltern, an den Sandkastenfreund, an bestimmte Gerüche, Farben, Essen bei den Großeltern. Für euch liegt die Kindheit ja noch nicht so lange zurück, und ihr habt euch wahrscheinlich noch nicht so weit weg von eurer Heimat bewegt, aber je älter man wird, desto entfernter kann die Heimat sein. Ich komme z.B. aus Südbaden, und wenn ich da hinfahre, sage ich immer noch „Ich fahre heim“, obwohl ich schon fast 40 Jahre in Bayern wohne und übrigens heute extra wegen dieser Feier ein Dirndl angezogen habe. Aber eigentlich müsste ich im Schwarzwälder Bollerhut vor euch stehen.

Also bayerische Heimat, darum geht es heute. Wir feiern 100 Jahre Freistaat Bayern.

Schaut man in die bayerische Verfassung, findet man in Artikel 131 als oberstes Bildungsziel unter anderem, die Schüler „sind im Geiste der Demokratie, in der Liebe zur bayerischen Heimat und zum deutschen Volk und im Sinne der Völkerversöhnung zu erziehen“. In dieser Reihenfolge.

In der Liebe zur bayerischen Heimat. Das ist jetzt schon wieder nicht so eindeutig. Was ist, wenn Bayern im oben definierten Sinn gar nicht meine Heimat ist? Wenn meine Eltern aus einem anderen Land kommen? Wenn ich hierher flüchten musste? Kann ein Land meine Heimat sein, wenn ich hier gar nicht aufgewachsen bin?

Als die bayerische Verfassung in der heute gültigen Fassung geschrieben wurde, da dachte man noch nicht an Globalisierung und Flüchtlingsströme aus Bürgerkriegsländern, aber heute muss man den Begriff weiter fassen. Heimat als den Ort begreifen, an dem ich jetzt gerne bin, an dem ich mich wohl und aufgehoben fühle. Das kann Gräfelfing sein, eine Nachbargemeinde, oder eben auch unsere Schule. Ein Lehrer, der hier Jahrzehnte lang war und dann an eine andere Schule kam, sagte, er sei da auch gern, aber das KHG sei seine Heimat.

Wenn man bei den eingangs genannten 15 Mio Treffern ein paar Seiten weiter liest, stößt man allerdings irgendwann auch auf eine ganz andere Auffassung, eine, wie sie in rechten Kreisen kursiert: Heimat gehört uns, und wer zu uns gehört, das bestimmen wir. Abgrenzung, Abschottung, Fremdenhass, das ist ganz sicher nicht das, was man unter Heimatliebe verstehen sollte, meine ich.

Unser Bayern, das Bayern, dessen Gründung wir dieses ganze Jahr feiern, will weltoffen sein, demokratisch, pluralistisch und lebendig. Damit es so bleibt, setzen wir uns damit auseinander. Nicht nur heute, aber ganz besonders an dem heutigen Feiertag, zu dem ich euch hiermit herzlich begrüße. Ich wünsche der Veranstaltung einen schönen Verlauf.

Anita Groß, Schulleiterin